"Das steht fest."

30.03.10

Hm. Weiß nicht. (Don Draper wäre sicherlich ‘was besseres eingefallen.) Fest steht nach der Lektüre dieses magazinig-einschlägig gut geschriebenen aber/ und keinen Allgemeinplatz scheuenden Artikels in Das Magazin auf alle Fälle, dass der Kommentar im Internet mindestens überbewertet ist, auf jeden Fall abgeschafft gehört und mir für die zur flüchtigen Durchsicht der Comments wider besseren Wissens aufgewendete Zeit der Freizeitausgleichs-Wiedergutmachungspreis wieder mal nicht angetragen werden wird.



"Ein solches Fest war Mitte"

16.02.10

An manchen Sonntagen schnitt Vanish hier unten Haare. Mit dem Argentinier Jorge Sastre arbeitete er sonst am Licht, bis beide 1992 die Ständige Vertretung übernahmen, wo Ben de Biel weiter dafür sorgte, dass die Leute an der mobilen Bar etwas zu trinken bekamen. In der Nacht des Donnerstags spielten Armin und Mitch aus Offenburg mit Alain aus New York unter dem Motto “Start from zero” House. Am Samstag war Corin mit House und Techno dran, sonntags legten Juri, Bym und Alex Raggamuffin und Hiphop auf. Später kam der Freitag dazu.

Die ersten Tag von Berlin. 20 Jahre Tacheles-Besetzung. Ulrich Gutmair – der es weiß – über Dienstags- und Donnerstagsbars, Tacheles, Frisör, Temporäre Autonome Zonen, WMF, Rave, Zucken, Pillen, die Nacht: die erste Hälfte der neunziger Jahre in Berlin-Mitte, die 1994 – das weiß wiederum ich – endete, und von der nach spätestens weiteren vier Jahren, hallo Bundesregierung ’98, an keinem der genannten Orte noch irgendetwas adäquat sinnlich erfahrbar gewesen war. (File under, so wie stets: Alte Menschen sprechen über gestern)


Currywurst, Hundehaar, TÜ

2.11.09

CurrywurstKlingt unschön, muss aber aus dem Anlass, etwas woanders Beobachtetes positiv zu bebildern, sein (um noch anzufügen, dass diese Stadt natürlich nicht allein von dieser einen, einzigen, Art ist. Allein der Spruch ist schlechthin untübigeniensis [ich wusste auch gar nicht mehr, wo ich das aufgenommen hatte – und erst recht nicht, warum]).


Sozialisation mit Eye-key-a

20.10.09

All I wanted was a cheap bed. What I got was a Kafkaesque nightmare (siehe auch The Wire, Folge irgendwas, in der Kima nach McNultys “Eye-key-a”-Empfehlung den Stuhl/ Tisch/ Kommodenersatz in die Ecke feuert).


Sich durch Mitmachen ruinieren

18.10.09

Der elektronische Text, der sich frei bewegt, und der frei angereichert, manipuliert und appropriiert werden kann, benötigt den Autor nur als Referenz, als imaginäre Quelle des tausendfach gebrochenen Echos; die kollektive Textproduktion aber wird zugleich „pervers“, da sie objektiv unter Bedingungen der Sklavenarbeit, subjektiv aber unter denen der „Freizeitgestaltung“ entsteht. Der Autor hat schließlich kein Recht mehr auf Leben von seiner Arbeit, aber auch kein Recht auf seine Arbeit selbst. Er ist offensichtlich Avantgarde auch im Projekt der Selbstaufhebung.

Georg Seeßlen: Die letzte Avantgarde im Kapitalismus und der Mythos vom long tail (Gut ist u.a., dass hier ausgerechnet im “Freitag” die – J. Augstein anscheinend oder missverstandenermaßen eher desinteressierende – Bezahlung freier Mitarbeiter von Zeitungen angerissen wird.)



There'll be some changes made

29.03.09

Kurz vorm finalen Löschen des überflüssigen Kontos beim unnützen Facebook teilte angeblich auch Edmond mir mit, dass er mich vermissen würde, wenn ich diesen ungeheuren Vorgang zu Ende bringen würde, woraufhin ich (begriffsstutzig) stutzte und dachte: das ist zwar schön, aber ist der da nicht längst weg? – das ist er –, was mich kurz entrüstete, denn so war der letzte Wink der Friends ja noch dümmer und unverfrorener konstruiert als vermutet. Ich bekam dann doch keine schlechte Laune und sah ein, dass sich die Nutzlosigkeit der Zeitvernichtungsmaschine Facebook, das umständliche Ergoogeln des Links, der es erst ermöglicht, sein Konto endgültig zu löschen, und der erbärmliche letzte Köder der Zusammenstellung angeblich betroffener Friends mit meinem angesichts Facebooks epischen Angeödetsein richtig zusammenfügten. Die weiteren, nein, die eigentlichen Argumente gegen Facebook stehen hier und hier.



Kick-off 2009

3.01.09

1. Abende, hingerissen im Strom Wust von The Wire; die erste Staffel ist bald durch. Es bleiben Fragen Fragen Fragen offen: wer was wann warum. Glücklicherweise keine Folge bisher alleine gesehen, im entzerrenden Gespräch danach bleiben einige Fragen zwar auch unbeantwortet, aber wir haben drüber geredet, und darum geht’s ja auch. Denn die Antworten, Interviews, ellenlange Chat- und Diskussionsdokumentationen und Informationshappen im Netz greifen ja eh viel zu weit vor. (Gefundene und für gut befundene Bookmarks landen dennoch meistens im hier neuerdings in der rechten Randspalte sichtbaren Linkabfalleimer namens “Bookmarks”, der sich aus einem Verzeichnis meiner nerdigen, unerratikamäßigen Delicious-Bookmarks speist. (Auch 2009 soll das Blog also der Eintopf für alles sein, allesineinem.)) Jetzt allerdings drängt sich die Frage auf, ob sich die Investition der von Malo empfohlenen kompletten Serie lohnt,

  • wenn eine Staffel schon durchgesehen ist,
  • wenn alle Folgen auf dem Nachhauseweg ausgeliehen werden können,
  • wenn kein richtiger DVD-Player zur Hand ist, da der old skool Fernseher über keinen entsprechenden Anschluss verfügt,
  • wenn stattdessen das kleine Macbuch als Abspielgerät dient,
  • wenn die zu Grunde liegende Frage also lautet:
    Soll ich mir 2009 allen Ernstes einen NEUEN FERNSEHER kaufen?

2. Nachmittage, vertieft in die Lektüre der Klage, mit Bleistift gelegentlich Zeilen unterstrichen – wobei “gelegentlich” mitunter zu kurz greift; es gilt, das System des Goetz zu begreifen. Kurzzeitig, aber wiederkehrend, über meine offenkundige Online-Lesefaulheit betrübt, die sich darin zeigt, dass ich mich seitenweise an keinen einzigen Eintrag erinnern kann, weil ich offenbar nur sporadisch ganze Texte im damaligen Blog gelesen habe. Als Trost drängt sich nun die folgende empirisch belegte, kulturoptimistische Unplugged-Diagnose für 2009 auf: Lesen kann ich, wenn ich den Ausdruck hab.

3. Letztens “Holzhausen” als Synonym für die angeblich aussterbende Zeitungsbranche gelesen, und mit naiver Bestürzung die unter Bloggern immer noch weit verbreitete Missgunst gegenüber gedrucktem Journalismus wahrgenommen. “Holzhausen” klingt ja nicht nur plakativ und hohl, sondern ist auch in diesem Jahr ein Grund, wieder mal nicht in die mehr oder minder benachbarte Kulturscheune zum Bloggerkongress im Mai zu gehen.


Ich sehe mich als Sportwagen.

13.12.08

“Die Haare sind weißer als früher, die Frisur ist allerdings die gleiche. Ich benutze das Trockenshampoo von Klorane. Die Haare werden dadurch nie schmutzig und bekommen so ein schönes Weiß wie im 18. Jahrhundert. Eigentlich sind meine Haare braun, das wird von Natur aus kein schönes Weiß, eher wie ein Kuhschwanz.”

Das Magazin > Monsieur Karl (Das Interview gibt’s auch auf zeit.de, dort aber mit weniger Fragen und v.a. weniger Antworten – das lohnt sich also schon nicht mehr – und merkwürdigerweise alles in einer anderen Reihenfolge.)


964

9.12.08

Gehen, Bahn fahren, Bus fahren, im Stau stehen, im Stau stehen, im Stau stehen, ADAC-Laster vorbei fahren sehen. Während der stetig nervöser werdende junge Franzose immer häufiger merde, pute aus sich herausstößt und ich überlege, wie weit meine Kenntnis alltagstauglicher französischer Schimpfwörter reicht, um ein vielleicht ablenkendes Gespräch über alltagstaugliche französische Schimpfwörter zu beginnen, fahren wir schließlich an einem zusammen gestauchten Auto vorbei, bei dessen Anblick keiner wissen will, wie es der Fahrerin, dem Fahrer ergangen sein mag. Nicht sprechen, fahren, ins Flug-Zeug laufen, fliegen, Zeitung 1 lesen, dösen, fliegen, gehen, S-Bahn fahren, simsen, Zeitung 2 lesen, U-Bahn fahren, gehen, Kaffee trinken, alberne Sommer-Abo-Uhr und albernen, aber praktischen Advents-Abo-“Businesstrolley” ab-, beziehungsweise beiseite legen, gehen, arbeiten (reden, tippen), Fahrrad fahren, Wasser und Zeug kaufen, Fahrrad schieben (gehen), Zeitung 3 lesen, telefonieren, telefonieren. Nicht im Text: faire sa toilette.


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