"Ein solches Fest war Mitte"

16.02.10

An manchen Sonntagen schnitt Vanish hier unten Haare. Mit dem Argentinier Jorge Sastre arbeitete er sonst am Licht, bis beide 1992 die Ständige Vertretung übernahmen, wo Ben de Biel weiter dafür sorgte, dass die Leute an der mobilen Bar etwas zu trinken bekamen. In der Nacht des Donnerstags spielten Armin und Mitch aus Offenburg mit Alain aus New York unter dem Motto “Start from zero” House. Am Samstag war Corin mit House und Techno dran, sonntags legten Juri, Bym und Alex Raggamuffin und Hiphop auf. Später kam der Freitag dazu.

Die ersten Tag von Berlin. 20 Jahre Tacheles-Besetzung. Ulrich Gutmair – der es weiß – über Dienstags- und Donnerstagsbars, Tacheles, Frisör, Temporäre Autonome Zonen, WMF, Rave, Zucken, Pillen, die Nacht: die erste Hälfte der neunziger Jahre in Berlin-Mitte, die 1994 – das weiß wiederum ich – endete, und von der nach spätestens weiteren vier Jahren, hallo Bundesregierung ’98, an keinem der genannten Orte noch irgendetwas adäquat sinnlich erfahrbar gewesen war. (File under, so wie stets: Alte Menschen sprechen über gestern)


100 Greatest Quotes

15.11.09


Via. (Letztens “West Wing” begonnen, paar Folgen gesehen; enttäuscht gewesen, weil das offenbar nicht annährend an “The Wire” heranreicht; den Plan gefasst, (wieder) im Winter (wieder) “The Wire” zu gucken.)


NDiaye, Autoportrait

3.11.09

Plus tard, la mère de Jenny me confie que la pendue a frappé à sa porte dernièrement. La mère de Jenny a ouvert, a reconnu la première femme d’Ivan et a perdu connaissance. Elle me dit que c‘était uns très belle femme, plus belle et plus lumineuse qu’avant, et qui souriait avec beaucoup de gentillesse et de confiance en soi.

Marie NDiaye, Autoportrait en vert, p. 69.

(Erst vor ein paar Wochen in Frankreich das erste Mal etwas von ihr gelesen; ein kurzes Buch. Und weil ich geahnt hatte, dass mir, wie so vielen, bald entgegengelabert werden würde, und ich schätzte, dass sich das Gelaber über 400 Seiten hinziehen würde, und daher die Zeit für das mehrere hundert Seiten starke Trois femmes puissantes knapp werden könnte, obwohl nur eines fehlte, nämlich mir der Mut vor NDiayes Sprache, und da das Loslabern ja nun zunächst, jedenfalls bei der ersten Lesung, nur schwer als Vierhundert-Seiten-Lektüre zu inszenieren ist, muss ich es jetzt, nach dem Prix Goncourt, bestellen habe ich jetzt, nach dem nun verliehenen Prix Goncourt, eine weitere gute Chance, endlich mal zum Franzosen in die Linienstraße zu gehen. Durchsage zu Ende.)


Und Sauerkrauthaare hat sie auch. *

30.06.09

Pina Bausch – Kontakthof mit Damen und Herren ab 65. (Danke, Cargo für den Link.) (* kommt erst in Tei 2/16.)


M.J.

28.06.09

Egal, was Michael Jackson wirklich getan hat: Es ist und bleibt eine Tragödie. Er steht zwischen den Lebenden und den Toten, sein Kapitel wird gerade aus der Popgeschichte gestrichen. Und viele Menschen wären froh, wenn er buchstäblich tot wäre.

Margo Jefferson, Autorin von Über Michael Jackson, letztes Jahr im Interview mit der Zeit.


Herbst '89 und Folgen

16.06.09

“Dave was probably the most talented songwriter to come out of Yeovil. I
think he came up with the best lyric of the 1980s, which was, ‘Instead of peace and revolution, we have Aids and Whitney Houston’."

Ein Nachruf auf Dave Goldsworthy, der 2004 von einem Auto überfahren wurde, vor allem jedoch als Sänger und Gitarrist einer totally underrated band from Yeovil, nämlich The Chesterf!elds, vor über zwanzig Jahren wichtige Grundlagenarbeit zum Thema Gitarrenindiepop ablieferte.

Ich hatte im Herbst ’89 eine Kassette mit dem Titel “Independent-Mix aus GB – 1987/ 88” geschenkt bekommen, auf der viel von dem drauf war, was Musikredakteure über Jahre hinweg unverwüstlich-kryptisch mit dem Kürzel C86 bezeichneten. Zum Beispiel: Ask Johnny Dee.

Meine damaligen Gebrauchsgegenstände: Gitarre, Mikro für 15 DM, BASF tape. Wie offensichtlich vergeblich es war, diesen Sehnsuchtssound nachzuahmen, war mir wohl bewusst. Es folgten zwanzig weitere Aufnahmen, dann nur noch außergewöhnliche Raucherlebnisse. Dann gab’s keine Chesterfields mehr, weder offline noch online.

Beim Eintauchen in die nun aus Umzugsgründen hervorgezogene Musikkassettenkiste stieß ich auf den Sampler. Dann brauchte ich fünfzehn Minuten, um den Song als Mp3 zu finden, neben Wikipedia noch diese und jene Einträge zu überfliegen, Geocities-Fanwebsites aus den 90ern zu bewundern, zweifelhafte Textkenntnisse aufzubessern, Hintergründe von C86 nachzulesen, ein Mp3-Album zu kaufen. Und? – Ja, nichts und.


"We're not here to make things pretty"

30.04.09

Companies committed to a culture of antidesign (also consultants like Jakob Nielsen) may occasionally succeed in the marketplace, but they do so in spite of their antidesign, not because of it. Of course we can’t prove that; we can’t run a controlled experiment, let alone 41 of them with distinct shades of blue. It is merely one of those things a visually literate person knows.

The extreme Google brain (Joe Clark, Journalist und Autor des einst einschlägigen Buchs zu Web-Accessibility, über die ernüchternde, Datenbank-gesteuerte Ingenieursästhetik von Google [Hintergrund ist der weltweit kommentierte Jobwechsel Doug Bowmans zu Twitter.].)



Film Title Sequences

22.01.09

Gute Idee, schöne Website, up-to-date-Technik, gute Qualität, paar Hintergrundinfos, manchmal Interviews dazu; zum Angucken um ein Uhr nachts: The Art of the Title Sequence. Via Apartness


Keine Einigung im Vagen

3.12.08

Zwei CDs gekauft mit schönen Booklets in Papphülle, diese und diese. Das Materielle, das Fassbare ist immer noch lange nicht so befremdlich wie das Immaterielle, sondern weiterhin total angenehm und komfortabel. Beim Kauf spielte indirekt M-D eine Rolle, der jüngst genauso belustigt wie fassungslos darüber berichtete, dass EPO extra in einen Laden gegangen sei, um sich die neue Platte von Ächsl R*s* zu kaufen.
Echte Platten kaufen, immer noch rauchen, grundsätzlich bereit sein, Alkohol zu trinken: immer mehr Selbstverständlichkeiten, die, hätte man sie früher thematisiert (ich habe mir eine CD gekauft!), schlichtes Stirnrunzeln hervorgerufen hätten, müssen nun im Zwiegspräch tunlichst unterschlagen werden, um kein empörtes Stirnrunzeln hervorzurufen.


Songwriting, Sampling, Kompression, Technologie

24.09.08

Dass Suzanne Vegas “Tom’s Diner” gewissermaßen als Meilenstein der Technikgeschichte fungiert: wusste ich nicht. Ich kenne, außer mir, eigentlich auch niemanden, der das Lied mag. Aber darum geht’s hier doch gar nicht! Stimmt: NYT > Measure for Measure > Toms Essay.


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19.06.08

So wie jedes Jahr zum Sommeranfang eine kurze Torstraßen-Begegnung mit dem bloggenden Dichter, der sonst stets auf dem Rad an einem vorbeihuscht, diesmal aber joggte, und von mir mit dem quietschgrünen, schwerfällig und dramatisch auf- und abfedernden Gesundheitsfahrrad beinahe überfahren worden wäre. Seine blaue Schlabberhose erinnerte an die bekanntlich legendäre graue Schlabberbux (-buchs?) des früheren Hertha BCS-Keepers Kiraly, seine schlackernden Arme an Matt, den bekanntlich bekanntesten Drummer aus Köln. Seine Haare waren genauso wie immer. Niemand dachte in diesem Moment ans Viertelfinale, außer den tausenden D*utschlandfahnenträgern drum rum.


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